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Leitartikel Dezember 2009

Das Schornsteinfegerhandwerk im Wandel der Zeit

Stefan Bolln

Vorstand Finanzen/Verwaltung

Diese oder ähnliche Überschriften haben wir in den vergangenen Jahren oft gelesen. Was wurde gestritten, der Teufel wurde an die Wand gemalt und die Schuldigen dazu benannt. Das Schornsteinfegerhandwerk verändert sich, weil die EU es wollte, weil die Bundesregierung es wollte, weil die Neoliberalen des ZDS es wollten und weil die Welt sowieso eine Scheibe ist.

Nach mittlerweile 10 Reformjahren, bei der am Ende kein Schuldiger auszumachen ist, muss sich auch der Letzte fragen, ob es nicht vielleicht an der Zeit wäre, das Schornsteinfegerhandwerk für die Zukunft fit zu machen?
Wir bedanken uns bei den zahlreichen, aufrechten Reformverfechtern, auch aus den eigenen Reihen, die konstruktiv und hart für den richtigen Weg gekämpft haben, um das Handwerk zu erhalten. Trotz aller persönlichen Diffamierungen haben sich die abhängig beschäftigten Handwerksteilnehmer für ein modernes Handwerk eingesetzt. Das Ergebnis kann sich sehen lassen, auch wenn noch an manchen Stellen nachgebessert werden muss und vereinzelt große Unsicherheit zu spüren ist. Nun ist es an den einzelnen Betrieben, die Umstellung zu vollziehen.

Was bedeutet das für die Praxis? Maßgeblich sind nicht mehr die Messintervalle der 1. Bundesimmissionsschutzverordnung, sondern die Intervalle der Abgaswegeüberprüfung. Außerdem benötigt jeder Betrieb zusätzliche Arbeitsgeräte. Als Beispiel seien genannt: Holzfeuchtemessgerät für die Beratung, Gasspürgerät für die Gashausschau nach TRGI und Karteikarten, auf denen die Schornsteinhöhen in Metern vermerkt werden müssen, sowie Bürsten zur Reinigung von Feuerstätten und mindestens einen Staubsauger.

Von 2010 bis Ende 2012 gilt die Übergangsfrist in ein neues System. Die Kehrbezirksinhaber müssen die Kundinnen und Kunden über die künftigen Änderungen aufklären und ihnen zeigen, wie sie sich zukünftig verhalten können. Im Klartext heißt das: Der Bezirksinhaber erklärt dem Kunden, wie er ihn loswerden kann, so dass bereits im Gespräch die Entscheidung für oder gegen den Aussteller des Feuerstättenbescheides fällt. Und je gutsherrenhafter er dies tut, desto größer ist die Chance, dass der Kunde ab 2013 einen anderen Schornsteinfeger wählen wird. Vorgeschrieben ist die Ausstellung der Feuerstättenbescheide seit Inkrafttreten des neuen Gesetzes. Unabhängig davon, was einzelne Ignoranten sagen, muss das Handwerk also seinen Aufgaben an dieser Stelle bereits seit einem Jahr nachkommen!

Die neue BKÜO und die neue 1. BImSchV werden unsere Arbeit verändern. Im Volumen wird es – außer im ländlichen Raum – keine Gebührenzuwächse geben. Aber das fehlende Potential muss irgendwie ausgeglichen werden. Neben den Energiebedarfsausweisen, von denen alle reden und die mittlerweile viele auch über 30 Mal pro Jahr ausstellen, darf man Kleinstreparaturen durchführen. Aber auch die Feuerstättenreinigung birgt erhebliches Potential: Circa 3,5 Millionen Feuerstätten im Öl- und Gasbereich und circa 20 Millionen Feuerstätten für feste Brennstoffe werden jährlich in Deutschland nicht gereinigt. Wenn die Funktionäre des Schornsteinfegerhandwerks Recht haben, dass verschmutzte Feuerstätten zu viel Energie verbrauchen und damit mehr CO2 als nötig freisetzen, ist es unsere gesellschaftliche Verpflichtung, dies zu ändern. Bei den Lüftungsanlagen gibt es zwar vorgeschriebene Luftwechselraten und einen erhöhten Verschmutzungsgrad, aber kein Handwerker kümmert sich wirklich um diese Anlagen. Wie die Made im Speck brauchte man dieses Potential bis dato nicht. Außer klugen Sprüchen kam nichts. Das muss sich ändern.

Man muss also nicht anderen Gewerken Konkurrenz machen, sondern kann sich in den Nischen so festsetzen, dass man als Verbindungsscharnier das gesamte Handwerk fördert. Nach unserer Einschätzung wird es viele Betriebe geben, die circa 65 Euro pro Arbeitstag hinzuverdienen müssen. Das muss man wollen und das kann man auch schaffen. Aber man muss es tun. Wer daran zweifelt, sollte sich von jemandem beraten lassen, der nicht nur an sich denkt, sondern gemeinsam mit den anderen in ein Schornsteinfegerhandwerk der Zukunft aufbrechen möchte.

In diesem Sinne wünschen wir schöne Weihnachten und erholsame Tage. Das Jahr 2010 wird unsere ganze Kraft benötigen – lasst es uns anpacken!

Euer/Ihr
Stefan Bolln
Vorstand Finanzen/Verwaltung